Danken macht glücklich


Luitgardis Parasie ist Pastorin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Glocken läuten, auf dem Kirchenvorplatz eilen die Gottesdienstbesucher. Plötzlich ein Straucheln, eine ältere Dame geht zu Boden. Zwei Ärzte rennen hin, versorgen ihre Wunden. Der Oberarm ist gebrochen. Sie muss ins Krankenhaus, kann nicht auf eine geplante Reise. „Fassen Sie doch mal in meine Hosentasche“, bittet sie einen der Helfer, „da ist die Kollekte drin, können Sie die bitte noch zur Kirche bringen?“ Ein paar Wochen später bekommen die beiden Ärzte je einen dicken Blumenstrauß und eine Karte: „Vielen Dank für ihre Hilfe, ich war von Engeln umgeben.“

Jeden Abend drei positive Dinge aufschreiben
Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Glück. Das sagt Martin Seligman, Amerikas berühmtester Glücksforscher. Er empfiehlt, jeden Abend drei positive Dinge aufzuschreiben, die man erlebt hat.

Krebs, Krankenhaus, Rheuma, Rücken
Seligmans Rat passt nahtlos zu biblischen Empfehlungen. „Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat“, heißt es in Psalm 103. Seltsam: Das Schlechte brennt sich in unsere Seelen ein, und oft halten wir selber den Brand am Lodern. Setzen Sie sich mal nachmittags in ein Café. Die Unterhaltungen an den Nachbartischen klingen wie eine Galerie des Schreckens. Meist geht es um Krebs, Krankenhäuser, Rheuma, Rücken. Warum konservieren wir das Schlechte so genüsslich?

Wie erzähle ich meine Geschichte?
Der Schriftsteller Max Frisch (1911–1991) hat mal gesagt: Jeder Mensch erfindet im Laufe der Zeit eine Geschichte, die er für sein Leben hält. Es ist also allein meine Entscheidung, wie ich meine Geschichte erzähle. Bekömmlicher ist es, sie aus dem Blickwinkel der Dankbarkeit zu schildern.

Aus dem Jaucheloch gezogen
Als Kinder machten meine Schwestern und ich Hüpfspiele auf den Blechabdeckungen von Klärgruben. Einmal gab so ein Blech unter mir nach und ich fiel hinein. Ich sank immer tiefer in der Jauche und kam nicht raus. Der Milchmann rettete mich, zog mich aus der Grube. Übergab mich unserer Haushaltshilfe, die die gerade gekaufte Butter schnell in ihre Schürze wickelte. Seitdem schickten mich meine Eltern jedes Jahr mit einem Blumenstrauß zum Milchmann, um mich zu bedanken.

Es gibt Grund genug zu danken
In den Psalmen singt einer: Gott „zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels“ (Psalm 40,3). Grund genug also zu danken.

Mein Arm darf sich nicht zu wichtig nehmen
Und die gestürzte alte Dame? Bei einem Besuch einige Zeit später sagt sie: „Es ist mir immer so gut gegangen, denken Sie nur an meinen Unfall: Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.“ – Und der Arm? Schmerzt er noch? „Ach, wissen Sie, da achte ich nicht drauf, sonst nimmt der sich zu wichtig.“
Luitgardis Parasie

(Quelle: ideaSpektrum 14/2016 , S. 3; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung)

Back to Top

Magazin auswählen

Magazin 143 Magazin 143
Magazin 142 Magazin 142
Magazin 141 Magazin 141
Magazin 140 Magazin 140
Magazin 139 Magazin 139
Magazin 138 Magazin 138
Magazin 137 Magazin 137
Magazin 136 Magazin 136
Magazin 135 Magazin 135
Magazin 134 Magazin 134